19. Juni 2013

Generation "Maybe" oder die Frage, wie viel Freiheit überhaupt frei macht.


Schon vor einiger Zeit las ich einen Artikel in der WELT, der über unsere unentschlossene Generation "Maybe" geht. „Eine Gesellschaft ohne Eigenschaften, ohne Plan, ohne Mut und ohne Biss.“ Wir sind hochqualifiziert ausgebildet, aber was wollen wir? Für was wollen wir kämpfen und was zeichnet unsere Zeit aus?

Ich las also diesen Artikel durch und dachte mir „Ja, meine Liebe, genau so sieht es aus. Der hat’s verstanden“.  Als Kind und auch auf dem Gymnasium lebt man Tag für Tag – man plant seinen Geburtstag, die nächste Party am Wochenende und was man seinem Freund zu Weihnachten schenkt – Ziel: Erstmal das Abitur schaffen! (Danach hat man ja alle Möglichkeiten.)


Die Zeit rennt - sollen wir mitrennen?

Schneller als man „die Zeit vergeht“ sagen kann, nimmt man glücklich lächelnd das Abschlusszeugnis vom Schuldirektor entgegen, während Mama mit Tränen in den Augen Fotos macht.  Ziel: Im Idealfall endlich mit dem Studium oder der Ausbildung beginnen. Für die weniger Entscheidungsfreudigen (inklusive mir) tut sich eher erstmal ein riesiges Fragezeichen auf (man erkennt es schon auf oben erwähnten Foto) und unweigerlich steht man da, mit seinen vielen Möglichkeiten und soll sich entscheiden! Am besten noch gestern.

Aber es ist ja auch so: Man muss sich nicht sofort entscheiden. Viele machen zunächst ein freiwilliges soziales Jahr oder gehen eine Zeit ins Ausland. Erstmal was von der Welt sehen. Herausfinden, was man will. Und wenn das erste Studium nicht das Non-plus-Ultra ist, dann kann man sich doch auch noch umentscheiden. Puh, was ein Glück. Man  weiß ja nie. Und mein Leben so:


Kannst du nun endlich jonglieren?

Menschen hängen ihr Leben an den Nagel, fühlen sich überrannt und nennen es „Burn-Out“ . Am Arbeitspensum kann es nicht liegen, denn früher wurde mindestens genau so viel, wenn nicht härter gearbeitet. Wir sind wie Jongleure – können eigentlich erst mit 3 Bällen jonglieren, sollen aber 15 Bälle jonglieren. Und keiner darf fallen.

Wir leben in einer Zeit der rasenden Veränderung und klammern uns doch an das Bestehende. Nie war Altes so cool. Alles ist plötzlich vintage. Oder retro. Wir wollen uns nicht gleich festlegen, suchen trotzdem aber nach Sicherheit. Wir wollen Lebenskünstler sein und denken wie Beamte, sagt der Autor Oliver Jeges.


Wo geht's hier nochmal zu "wünsch dir was"?

Lange habe ich über diese Thematik nachgedacht, aber so sehr ich der Meinung bin, dass zu viele Möglichkeiten nicht immer gut sind, sehe vor meinem innerem Auge ein kleines Männchen, das mich mit verschränkten Armen süffisant angrinst und sagt:  „Aber was ist denn die Alternative? Willst du, dass dir jemand genau vorschreibt, wann du was zu tun hast?“
Ich schüttle den Kopf. Nee, ist ja auch ganz schrecklich.

Ja, es ist richtig, wir sind die „Generation Maybe“, wir sind die Generation „Ich schau mir das jetzt erstmal an und entscheide dann!“, aber dafür haben wir einen freien Geist, wir haben den Luxus, sich nicht sofort festlegen zu müssen, nicht sofort erwachsen sein zu müssen, auch mal umdrehen zu können.Wir haben mehr Zeit – und ist Zeit nicht das Wertvollste auf der Welt?

Kommentare:

  1. Wunderbarer Text! Den Artikel würde ich auch gern mal lesen, hört sich unglaublich interessant an. Denkst du man findet den auch online?

    Liebst
    Farina

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    1. Danke dir - natürlich: Hier der Link zu dem Artikel

      http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13939962/Generation-Maybe-hat-sich-im-Entweder-oder-verrannt.html

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  2. Tolles Bild und wirklich guter Text! :)

    Liebe Grüße
    Sandl

    www.prizmah.blogspot.com

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  3. Vielen Dank für deine lieben Worte bei KK :) Dein Blog gefällt mir auch sehr gut :) Die Bilder sind super schön und deine Texte gefallen mir auch. Ich glaub ich komm mal öfters vorbei ;)

    Liebe Grüße
    Jenny von catscupcakesco.blogspot.com

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  4. puh... ich kann dem allen nur zustimmen. auch wenn zeit ein wertvolles gut ist, hab ich dennoch das gefühl, dass sie mir davonrennt. abi hab ich hinter mir, studium auch, um danach festgestellt zu haben, dass ich meinen fokus doch anders hätte festlegen sollen. aber trotzdem habe ich es durchgezogen denn im hinterkopf war immer diese doofe rennende zeit "ich werde auch nicht jünger" so nach dem motto.... und jetzt sitze ich hier und würde am liebsten alles gleichzeitig machen. bewerbungen schreiben und einem job finden doch halt...ins ausland wollte ich doch auch noch! und wenn nicht jetzt wann dann? einmal fest im job, macht man "sowas" nicht mehr so schnell. also auch im ausland beworben und auf die nase gefallen, denn ohne connections kommt man da nicht weit. und so dreht sich die welt weiter und......die zeit rennt. :/ einfach leben und frei sein, ohne gedanken und ohne pläne zu schmieden. das wärs.

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  5. Der text ist wie immer toll geschrieben und bringt es genau auf den punkt! Wie schaffst du es eigentlich immer so in meinen kopf zu gucken?
    Ich will mal eine foto/gemäldeausstellung machen, ein buch schreiben, einen himmelskörper entdecken. Gleichzeitig will ich migranten helfen, psychologe werden (am liebsten gleich noch noch arzt --> psychiater), möchte in einem museum / einer gallerie arbeiten und falknerei betreiben. Das heißt ich werde nun fotografenautorenastronomsozialarbeiterpsychiaterkuratorfalknerin. Und was mache ich wirklich? Ich verzweifle einfach nur beim gedanken an die zukunft! Danke für den link zum artikel, werde ihn gleich verschlingen.

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  6. Ich frage mich auch jeden Tag, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Hätte man nicht so viel Auswahl, würde man sich gar nicht mit all den Möglichkeiten und Versuchungen rumschlagen. Andererseits (wie Du schon sagst) sieht die Alternative nicht besser aus. Das ist es vielleicht, das Erwachsenwerden - lernen Entscheidungen zu treffen!

    Liebst,
    Rosalie.

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  7. Wirklich toller Text ;). Ich denke jeder kennt dieses Situation, wo er überlegt hat, was er nun als nächstes Tut. Ging mir so als ich den Realschulsabschluss gemacht hatte und dann eine Ausbildung dran hängte, die war aber leider nichts meines und dank der heutigen Zeit kann ich jetzt mein Abitur nachholen, etwas was ich eigentlich schon immer tun wollte. Finde diese Generation "Maybe", wie man sie nennt also nicht schlecht ,denn wir haben schon viele Chancen mehr als früher.

    Bin auch mal Leserin geworden ;)

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  8. Toller Post, und er trifft genau ins schwarze! Wir haben wirklich viele Möglichkeiten vielleicht eben auch schon ZU viele aber so wie du schreibst ist es ja purer Luxus und da stimme ich dir auch total zu!

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  9. Du bist so begabt, meine Liebe - deine Texte sind so lebensnah und tiefgründig. Und ja, es stimmt, wir können uns Zeit lassen beim Entscheiden - und das ist gut so. Zum Glück kann ich meinen Studiengang noch wechseln und muss nicht auf Teufel komm raus Lehrerin werden. Aber ist es nicht so, dass wir (die Jugend bis 30) immer mehr Druck aushalten müssen ? Und ist es demnach nach nicht logisch, dass so viele von ins einknicken und krank werden ? Ausgleich zu finden ist schwer, denn viele wissen nicht, was ihnen gut tut und was sie können. ..
    Aber bevor das zu weit führt und die Pädagogin in mir durch kommt, schließen wir ab - ein toller Text und vielen Dank für den neuen Blickwinkel bzw Denkanstoß.
    Fühl dich gedrückt ♡

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  10. 1+. Setzen.

    Nee, quatsch, nagel auf den Kopf getroffen. Super vielen Dank!

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  11. Wie wahr! Mal wieder ganz wunderbar geschrieben, meine Liebe :)

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  12. :)
    Ich finde auch, man muss sich nicht gleich entscheiden. Wichtig ist, dass man letztlich etwas findet, das man wirklich mag und für sinnvoll hält. Der Gedanke, täglich zu einem Job zu gehen, den man hasst, ist furchtbar. Lieber erstmal austesten, überlegen, umsatteln. Der gerade Weg ist nicht immer der richtige.
    LG

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  13. Hey Süße,
    danke für deinen lieben Kommentar (: taufrisches Gras ist einfach das schönste *.*

    Ich habe vor kurzem in einer Studentenzeitschrift was ähnliches über unsere Generation gelesen. Wir sind nämlich Generation Y.
    Auf der einen Seite steht genau das was du beschrieben hast. Unendliche Möglichkeiten, Vernetzung rund um die Welt und dadurch auch ein Konkurieren mit der Welt. Auf der anderen Seite, hat unsere Generation ganz andere idealistische Vorstellungen von einem perfekten Leben, als die Generationen vor uns. Wir wollen nachhaltig leben, die Umwelt schützen und hecheln nicht so dem Geld hinterher. Wir sind für flache Hierarchien und weniger Elbogenmenschen als noch unsere Eltern und Großeltern.
    Ich glaube, dass die jetzige Generation weniger Druck machen wird. Wir bekommen viel eher den Druck der "Alten" zu spüren und jetzt mal schlapp gesagt: Wenn die weg sind, wird vieles auch wieder einfacher...hoffe ich zumindestens...

    Lg Christin

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  14. Toller Post!
    Du hast schon recht: Zeit ist seeehr wertvoll und der Luxus aus so vielen Möglichkeiten wählen zu können ist toll. Auch wenn man zwischendurch seinen Plan das ein oder mal ändert, ist das halb so schlimm. Nur irgendwann sollte man sich halt entscheiden - und dann auch zu 100% dahinter stehen und einfach mal zur Ruhe kommen ;)

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  15. Oh man, mal wiederhast du mich extrem zum Nachdenken gebracht.
    Ich bin auch manchmal so, manchmal! :-)

    Hachja, meinst du, wir sollten versuchen, das zu ändern? Oder ist es ok so?
    Sind wir eine anstrengende, doofe Generation? Oder sind wir einfach individuell und toll?
    Ich finde, es wirkt viele Fragen auf, wenn man so darüber nachdenkt!

    Aber danke, dass du diesen Denkanstoß gegeben hast, du Liebe!

    Ich hoffe, dir geht es wieder etwas besser? Warst du barfuß auf einer Wiese laufen!? ;-)
    Kussi
    Anna
    Annanikabu - Fashion, Lifestyle and more
    ​​

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  16. Jaa das stimmt allerdings :D.
    Dankeschön, naja es ist auch so dass man nach einer Ausbildung wirklich mehr weiß wo man hin möchte. Man hat die Arbeitswelt einfach schon erlebt und ich habe während meiner Ausbildung recht gut heraus gefunden was mir Spaß macht und was nicht. In der Realschul Zeit war mir meine freie Zeit, wie vielen anderen irgendwie wichtiger.

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  17. Super Text, geb dir soo recht..

    Liebe Grüße
    Nina von Pearlsheaven

    PS: Bei mir kannst du grad ein tolles Top von Oasap gewinnen!

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  18. Hallo Anna,
    ich finde es wunderbar, dass Du solche Artikel liest und Dir Deine Gedanken darüber machst. Ich habe immer Ziele gehabt im Leben, Kurzzeitziele und auch Langzeitziele. Woher das kommt, weiß ich nicht. Vielleicht ist der Zeitgeist inzwischen ein anderer und man/frau geht mehr mit dem Flow. Es ist sicher nicht falsch, jeden Tag neu zu entscheiden, was jetzt gerade dran ist.
    "Wege entstehen dadurch, dass man sie geht." Franz Kafka
    In diesem Sinne, viele Grüße Synnöve

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  19. Toller Beitrag und toller Blog :)
    Ich denke das Problem an unserer Generation ist, dass wir unbedingt "Das Richtige" tun wollen, ohne genau zu wissen, wie das aussieht. Genauso wie die Vorstellung, dass wir unbedingt Alles erledigen müssen, wenn wir jung sind. Dadurch stopfen wir viel zuviel in unsere 20er.
    Ich denke dass wir lernen sollten, dass wir ruhig scheitern dürfen. Das wir trotz aller Möglichkeiten das Recht darauf haben uns falsch zu entscheiden. Dass wir mit auch mit 30 oder 40 noch eine Umschulung oder Weiterbildung machen dürfen. Dass wir auch später noch, mal ein anderes Land entdecken können. Unser Lebenslauf muss perfekt sein, wir wollen beweisen, dass wir die gegebenen Möglichkeiten bestmöglichst nutzen. Doch wir sollten einfach anfangen so zu leben, wir wie wollen, ohne uns dafür rechtfertigen zu müssen.
    Liebe Grüße.

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  20. Schöne und wahre Worte.

    http://owlloveshopping.blogspot.de/

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  21. „Ich schau mir das jetzt erstmal an und entscheide dann!“
    Der Satz ist für mich genau der Kern.
    Dadurch, das wir alles tun können und erleben und bereisen und anschauen und testen wollen wir uns nicht mehr festlegen.
    Egal ob Beruf, Freunde oder Liebe.
    Der Himmel ist die Grenze und dadurch verliert man sich leicht.
    Mein Freund hat es mal sehr gut auf den Punkt gebracht: "die Leute können nicht mehr zufrieden sein mit dem, was sie haben"
    Und da stimme ich Ihm und auch dir zu.

    Viele Türen, durch die wir gehen können und dann müssen wir uns entscheiden und das fällt schwer.
    Dadurch stressen wir uns dann selbst total.

    Danke für diesen tollen Beitrag :-)

    PS: dein Freund ist echt ein brauchbarer Fotograf! Meiner macht sich auch immer besser juhu ;-)

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